Klaus Vetters vorletztes Silvesterkonzert
In bester Kapellmeistermanier
Münster
- Am Ende gab es stehende Ovationen – zum 29. Mal! Kein Platz
blieb frei, als Klaus Vetter zum vorletzten Orgelkonzert in der
Silvesternacht in die Apostelkirche lud. In einem Jahr wird er sich mit
dem 30. Orgelkonzert zum Jahreswechsel in den Ruhestand verabschieden. Von Heike Eickhoff
Kantor Klaus
Vetter am Spieltisch der „kleinen Apostelorgel“ Foto: heh
Weihnachtliches, Ernsthaftes und Unterhaltsames lockte er aus
den Pfeifen und Registern des Instruments. Von Bachs Passacaglia in
c-Moll (BVW 582) bis zu Mendelssohn Bartholdys „Wachet auf, ruft
uns die Stimme“ ging die Reise, sauber gespielt und
abwechslungsreich registriert.
Virgil Fox‘
Bearbeitung von Bachs „Komm, süßer Tod“ stand
ebenfalls auf dem Programm, allerdings in einer „Adaption
für die relativ kleine Apostelorgel“, wie Vetter in der
Begrüßung vor Konzertbeginn mit einem Schmunzeln anmerkte.
Fox hatte seine Bach-Bearbeitung für eine große romantische
Orgel mit allerlei Zierrat geschrieben, doch Vetters Version klang kein
bisschen schmächtig. Schlank und agil ging er an dieses aus dem
vollen Sound schöpfende Werk heran. Ein bisschen Glitter streute
Vetter anschließend mit der „Tritsch-Tratsch-Polka“
von Johann Strauss’ gleichnamigem Sohn. Den Zuhörern
zauberten schon die ersten Takte des Tanzboden-Klassikers ein
Lächeln ins Gesicht.
Bald schon bewegten sich viele Köpfe sachte im Takt der
Musik. Vetter zauberte an der Orgel in bester Kapellmeistermanier. Er
gab den Zuhörern eine Menge guter Laune mit für den vor der
Tür stehenden Jahreswechsel, der sich durch viele verfrühte
Böller in den Straßen schon lautstark bemerkbar machte.
Am Ende stand Henry Woods „Hornpipe“, eine Nummer
voller Marinesignale und bekannter Lieder, uraufgeführt zur
Hundertjahrfeier der Schlacht von Trafalgar 1905 und seitdem in fast
allen „Last Night of the Proms“-Konzerten vertreten. Die
Pfeife des Bootsmanns, die am Anfang steht, erklang flott und frisch
aus der Orgel. Draußen nahmen der Lärm der Böller immer
mehr zu.
Klaus Vetter beendete – wie seit Jahrzehnten
üblich – genau eine Stunde vor dem Jahreswechsel sein
Orgelkonzert.