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Die neue Orgel
der St. Johannes-Kapelle
Vermutlich die erste fest installierte
Orgel in ihrer 700-jährigen Geschichte erhielt
die Johannes-Kapelle im Jahre 2002 von
der elsässischen Orgelbau-Werkstatt
Mühleisen aus Straßburg. Seit
der Wiederbenutzung der Kapelle nach dem 2. Welt-
krieg hatten zunächst ein Harmonium
und dann ein 1-manualiges Positiv mit 4 Re-
gistern jahrzehntelang notdürftig
den Gemein-degesang begleitet. Für ein eigen-
ständiges Musizieren im Gottesdienst,
zum Beispiel festlichen Ein- und Auszügen
bei Trauungen, waren diese Instrumente
nicht geeignet.
Die Kapelle ist für ca. 100 Besucher
relativ klein. Daher sollte auch die Orgel nicht
zu viel Platz beanspruchen. Trotzdem sollte
sie über möglichst viele, weiche, tragen-
de Klangfarben, 2 Manuale und Pedal verfügen.
Diese Bedingungen und Erfordernisse führten
zu einer einmaligen Orgelkonstruktion –
speziell für die Johannes-Kapelle.
Die Orgel füllt ein ganzes Joch auf
der linken Seite der Kapelle mit 2,90 m Breite aus.
Hinter Schnitzwerk, das Blumenranken der
Kapitelle aufgreift, verbergen sich im unter-
en Teil des Gehäuses 9 Register und
Schwelltüren des II. Manuals. Darüber steht das
Hauptwerk mit 7 Registern. Im Prospekt
ist der Prinzipal 8’ zu sehen, dessen tiefste
Pfeife 2,40 m lang ist.
Beide Werke zusammen sind stolze 6,30
m hoch, das entspricht fast 3-facher Zimmer-
höhe. Die Tiefe ist dafür ungewöhnlich
schmal: 90 cm.
Vor dem Gehäuse steht der Spieltisch,
unter dem sich die Traktur befindet. Sie verbin-
det die Ventile unter den Pfeifen mit
den Tasten und Registerzügen.
Am mittleren Prospektturm ist die Jahreszahl
der Entstehung zu lesen:
AD 2002.
Aliquote und Flöten des II. Manuals
sind sehr weit mensuriert, was sie weich macht und –
trotz charakteristischer Färbung
– gut verschmelzen lässt. Gambe und Voix Céleste er-
weitern mit ihren streichenden Stimmen
die Palette der leisen Klangfarben über den üb-
lichen Rahmen eines kleinen Instrumentes
hinaus. Durch Schließen der Schwelltüren kann
der Klang zusätzlich gedämpft
werden.
Für festliche Gottesdienste und Hochzeiten
enthält das Hauptwerk eine Mixtur und Trom-
pete, für die Begleitung des Gemeindegesanges
tragende Prinzipale und Flöten.
Da kein Platz für eigenständige
Pedalregister zur Verfügung stand, entschied man sich
zu „Transmissionen“. Durch eine Doppelbohrung
unter den Pfeifen können Register ent-
weder im Pedal oder im Hauptwerk, oder
gemeinsam gespielt werden. Somit verfügt das
Hauptwerk sogar über eine 16´-Stimme,
was dem Plenum zusätzliche Grundtönigkeit und
Gravität verleiht, wie es sonst nur
an größeren Orgeln selbstverständlich ist.
Verborgen sind zahlreiche Individuallösungen,
um möglichst viel Platz zu sparen:
Die Trompete wurde im Diskant und Bass
mit unterschiedlichen Kehlen für ihre unter-
schiedlichen Aufgaben im Hauptwerk bzw.
Pedal gebaut Der Blasebalg wurde nicht,
wie üblich waagerecht, sondern senkrecht
hinter die Pfeifen des Hauptwerkes gesetzt.
Der Motor, der die Luft liefert, wurde
im Nachbargebäude untergebracht, die Windka-
näle im Mauerwerk hinter der Orgel
versenkt. Auf einen Stimmgang hinter der Orgel wur-
de verzichtet. Die Trompete steht daher
nicht – wie üblich – an der Rückwand, sondern
vorne im Hauptwerk, direkt hinter den
Prospektpfeifen. Spezialtüren zum Aufklappen er-
möglichen dann das Stimmen von außen.
Die tiefsten Pfeifen sind nicht zu sehen. Einige
wurden „gekröpft“, d.h. gebogen,
damit sie Platz im Gehäuse finden.
Dank der meisterhaften handwerklichen
Arbeit der Firma Mühleisen steht mit der Orgel
ein Schmuckstück in der Kapelle,
das auf kleinstem Raum eine Vielzahl unterschiedlicher
Klangfarben ermöglicht. Die Ansprache
der Pfeifen ist mit Rücksicht auf den kleinen
Raum sehr fein und ohne hörbaren
Ansatz.
Die gute Akustik mit leichtem Hall veredelt
den Klang zusätzlich.
(Klaus
Vetter, Kantor)
| II. Positif (schwellbar) |
I. Grand Orgue |
Pedal |
| 1. Bourdon 8’ |
1. Bourdon 16’ |
= Transmission |
| 2. Gambe 8’ |
2. Montre 8’ |
= Transmission |
| 3. Voix Céleste 8’ |
3. Flûte 8’ |
. |
| 4. Flûte à cheminée
4’ |
4. Prestant 4’ |
= Transmission |
| 5. Doublette 2’ |
5. Flûte 2’ |
. |
| 6. Nazard 2 2/3’ |
6. Fourniture IV rgs 1’ |
. |
| 7. Tierce 1 3/5’ |
7. Trompette 8’ |
= Transmission |
| 8. Larigot 1 1/3’ |
. |
. |
9. Octave 1’
Tremblant |
3 Koppeln – als Zug und
Tritt |
. |
Überregionale Beachtung
fand die neue Orgel der Johannes-Kapelle
im März 2006: Im Rahmen einer
Tagung des VKM (Verband der Kirchenmusikerinnen
und Kirchenmusiker des Bistum Münster)
wurde sie den ca. 40 TeilnehmerInnen
von Prof. Wolfgang Seifen in einem
Improvisationskonzert vorgestellt.
Bei dem abendlichen "Orgelspaziergang"
standen danach die Orgeln der Erlöserkirche
und des Doms auf dem Programm.
Überregionale Beachtung
Als Unterrichtsinstrument im Rahmen eines
jährlich stattfindenden
Improvisationskurses greift Prof. Tomasz
Adam Nowak (St. Lamberti, Münster)
gern auf die Orgel der Johannes-Kappelle
zurück.
Im vergangenen Jahr unterrichtete hier
Prof. Hans Haselböck (Wien), in diesem
Jahr wird es Prof. Peter Planyavsky sein,
der u.a. mehr als 30 Jahre am Wiener
Stephansdom tätig war.
Informationen zum Improvisationskurs:
hier
als PDF-Datei
Bei einem Besuch bei der Orgelbaufirma
Mühleisen in Straßburg konnte ich mich im
Oktober 2002 von der präzisen, hohen
handwerklichen Qualität überzeugen.
60% der Orgel waren bereits fertiggestellt
und in der Montagehalle aufgebaut.
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Dies ist eine Windlade.
Auf den Löchen werden später
die Pfeifen stehen.
Die kleinen Bretter sind die sogenannten
"Schleifen",
an denen die Registerzüge
befestigt werden. |
........
Noch sind Windladen
und Pfeifen nicht eingebaut.
So kann der Blick
ungehindert durch Schwellwerk und Hauptwerk dringen.
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..Hier werden
später die Klaviaturen eingebaut. |
Januar 2003 Aufbau in der Kapelle
Das selbsttragende Gehäuse aus Eiche
wird zuerst aufgebaut.
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Klaus
Vetter
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